Tennisellenbogen - Epicondylitis lateralis humeri

 

 

Einteilung:

Typ I selten

  • Überdehnung des muskulären
  • Ursprungs
  • M. extensor radialis longus

Typ II

Häufigste Form in Kombination mit Typ V

kann auch alleine bestehen

  • Insertionstendopathie des
  • M. extensor carpi radialis brevis

Typ III

selten

  • Tendinitis
  • M. extensor carpi radialis brevis

Typ IV

  • Überdehnung Muskel-Sehnen-Übergangs
  • oder proximaler Muskelbauch des M. extensor carpi radialis brevis

 

Klinik:
Schmerzbereich befindet sich an der Außenseite vom Ellenbogen bis in den radialen Unterarm und Handrücken. Die Symptome werden häufig durch eine Pronation ausgelöst.
Weiter ist die aktive Handgelenksextension und Fingerextension, besonders des Mittelfingers schmerzhaft, eventuell auch die Ellenbogenflexion.
Ebenso ist durch die Dehnung die Palmarflexion mit Fingerflexion schmerzhaft.
Die Patienten geben ungern die Hand, da die Greiffunktion mit einer Dorsalextension und mit radialer Abduktion verbunden ist und zur Schmerzverstärkung führt.

Untersucht werden sollte unteranderem:

  • HWS, BWS
  • Schulter
  • Gelenke des Ellenbogens
  • Metacarpale II und III und deren Verbindung zum Os trapezoideum und Os capitatum

Merke: Die Untersuchung der HWS ist unbedingt erforderlich (vor allem C5/C6 und C6/C7).

Manchmal besteht eine Hypomobilität des Radiohumeralgelenkes, bedingt durch einen Hypertonus der Extensoren.

Kommt es häufig zu rezidivierenden Tendopathien des M. extensor carpi radialis longus oder brevis, so sollte eine Untersuchung des Gelenkspiels des Metacarpale II und III in Verbindung zum Os trapezoideum und Os capitatum geprüft werden. Funktionsstörungen in diesen Gelenken können Tendopathien an den dort ansetzenden Muskeln auslösen (M. extensor carpi radialis longus und brevis).

 

Man findet häufig zwei klinische Formen:

Zum einen ist der gesamte Muskel im Tonus verändert und druckdolent. Zum anderen ist lediglich der Epikondylus druckschmerzhaft und nicht der Tonus des ganzen Muskels verändert.
Wobei die Ursache bei der letzteren Variante eher in der HWS zu suchen ist.

 

Die Ursprünge der Handextensoren am Epikondylus lateralis können einzeln palpiert werden. Durch Anspannung in die entsprechende Hand- und Fingerextension werden die Muskeln deutlicher tastbar.

Die Handflexoren sollten auf Verkürzung getestet werden.

 

Weiterführende Untersuchung:
Unter diesem Punkt soll nicht die gesamte segmentale Untersuchung beschrieben werden, sondern nur einer kleiner möglicher Ansatz zur Differenzierung. Sollte die Untersuchung positiv ausfallen so müssen weitere Untersuchungen vorgenommen werden.

Nehmen wir an die symptomauslösende Bewegung, sei die Pronation im Ellenbogengelenk. Als mögliche Ursache könnte die HWS in Betracht gezogen werden.

Als Test werden zwei Manöver durchgeführt, eine Provokation und eine Reduktion.

 

Zunächst die Provokation:
Der Unterarm wird in die eingeschränkte Bewegung eingestellt bis kurz vor auftreten der Symptome, bei diesem Beispiel die Pronation.
Als provokative Bewegung werden nun Testbewegungen mit der HWS durchgeführt z.B. eine homonyme Extension (Extension, Seitneigung und Rotation zur gleichen Seite). Werden durch Bewegungen der HWS, unter Beibehaltung der Stellung im Ellenbogengelenk, die Symptome hervorgerufen ist eine isolierte Läsion des Ellenbogens in Frage zu stellen.

 

Reduktion:
Umgekehrt läuft der Test bei der Reduktion. Hierbei wird die symptomauslösende Bewegung, in diesem Fall die Pronation, bis kurz nach Auftreten der Beschwerden durchgeführt und gehalten. Zusätzlich ist zuvor eine belastende Ausgangsstellung der HWS hinzugefügt worden z.B. die homonyme Extension.

Als reduktive Maßnahme wird nun die HWS in die Neutralstellung zurückgeführt. Das Ellenbogengelenk bleibt unverändert. Kommt es zu einer Reduktion so kann man eine isolierte Beteiligung des Ellenbogengelenkes in Frage stellen.

 

Segmentale Besonderheiten:
Die Innervation vom Ellenbogen

Selten ist die Ursache eine banale Überbelastung der Handgelenksextensoren. Häufig ist es sehr viel komplexer und der Patient hat eine langjährige Anamnese hinter sich, die nicht unbedingt direkt mit dem Tennisellenbogen zu tun haben muss. In den meisten Fällen geben die Patienten schon seit längerem Probleme im zervikalen oder im zerviko-thorakalen Bereich an. Bei näherer Untersuchung stellen wir meist eine Hypomobilität im zerviko-thorakalen Übergang, in Kombination mit einer ausgleichenden Hypermobilität auf der Ebene von C5/6 an der Halswirbelsäule fest. In einigen Fällen begleitet von einer Kopfgelenksblockierung. Auch kann es sein, dass die mittlere Halswirbelsäule Blockaden aufweist. Diese Begebenheit alleine sollte bei kurzem Bestehen jedoch keinen Tennisellenbogen verursachen. Allerdings führt diese belastende Ausgangssituation bei längerem Bestehen, häufig zu bewussten oder unbewussten nozizeptorischen Zuständen im Nervensystem. Dieses wird sich über kurz oder lang schwächend auf das Bindegewebe im gesamten Innervationsgebiet auswirken. Auch das Ellenbogengelenk fällt darunter.

Diese nozizeptorischen Zustände haben über eine Rückkopplung mit dem vegetativen Nervensystem, auf Dauer eine Qualitätsänderung des kollagenen Netzwerkes zur Folge. Dieses neue minderwertige Bindegewebe ist nun nicht mehr so belastbar wie sein Ursprungsgewebe und neigt zu Läsionen oder Microtraumen. Durch mangelhafte Heilung und Reorganisation der Kollagenfasern, kommt es immer wieder zu Rezidiven. Da die einzelnen Heilungsphasen nicht adäquat durchlaufen werden können. In solchen Fällen könnte die Mills-Manipulation Abhilfe schaffen. Durch die Beseitigung von falsch organisiertem Kollagengewebe wird der Körper zu einer Zwangsreorganisation herangeführt.
Nach diesem Neuanfang kann der Patient nun unter Anleitung des Therapeuten lernen sich seiner Krankheit bewusst zu werden und sich den einzelnen Heilungsphasen anzupassen, um so eine völlige Reorganisation zu ermöglichen.

Es stellt sich die Frage warum nicht in dem gesamten belasteten Segment solch schmerzhafte Läsionen entstehen. Die Antwort könnte mit den individuellen Alltagsbelastungen und sekundären Gelenksproblematiken zusammenhängen. Unter sekundären Gelenksproblematiken sind dabei nicht nur an Hypomobilitäten zu denken sondern auch an Hypermobilitäten. Somit führt eine Hypermobilität des Handgelenkes mit mangelnder Propriozeption zu einem reflektorischen Hypertonus der Handgelenksextensoren.

 

Therapie:
Die Therapie richtet sich ganz nach der Ursache und dem jeweiligen Typ. Aus Erfahrungen heraus dauert eine Typ II Variante unbehandelt in der Regel acht bis dreizehn Monate und heilt spontan ab. Dagegen sind die Varianten von Typ II,III und IV sehr viel hartnäckiger und überdauern unbehandelt meist einige Jahre.
Eine kausale Therapie könnte in der Verbesserung des Arbeitsplatzes, der alltäglichen Belastungen oder des Sportmaterials erfolgen.

  • Quermassage und Querdehnung des Muskelbauches
  • Gelenkmobilisation des Radiohumeralgelenks durch Traktion nach kaudal; durch Gelenkdruckminderung kommt es zur Reduzierung gelenkdruckbedingter nozizeptiver Afferenzen, was eine Tonusverminderung der Extensoren zur Folge hat.
  • Gleitmobilisation des Metacarpale II und III
  • Längsdehnung der Flexoren als Vorbereitung eine heiße Rolle auf die Flexoren
  • Druckinhibition am tendoperiostalen Übergang
  • Querfriktion am Muskelsehnenübergang
  • Ultraschall/Eis können vorbereitend vor Querfriktionen angewendet werden
  • Gegebenenfalls Mitbehandlung der HWS, BWS
  • Weichteiltechniken der Flexoren

 

 
           

 

 

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