Stress und seine Bewertung

 

 

Stress primär gesehen ist nur ein Reiz von außen. Dieser Reiz oder Belastung wird von uns sekundär verarbeitet und bewertet. Ist der Reiz emotional oder körperlich höher einzustufen bewirkt er mehr Reaktionen vom Körper oder ist der Reiz körperlich und emotional schwach dann ist anzunehmen das der Körper weniger Reaktionen zeigen wird. Prasseln viele Reize auf den Körper ein, wird das Gehirn gefordert zu selektieren, doch sinnvoll selektieren kann nur ein ausgewogener Organismus. Kommen zu viele Reize bricht auch dieses System zusammen.
Die Bewertung eines Reizes ist immer unterschiedlich von Mensch zu Mensch aber auch von Situation zu Situation - ein Grund warum wir untereinander und von Fall zu Fall auf den gleichen Stressreiz unterschiedlich reagieren.

Stress tritt als Folge einer Dysbalance von Aktivität (Anspannung und Dauer von Belastung) im Vergleich zur Erholung (Ruhe und Entspannung)ein. Er entsteht durch defizitäres und unzureichendes Bewältigungsverhalten von Belastungsphasen und mangelnden Ressourcen des Körpers.
Bei überdosiertem oder zu lang anhaltendem Disstress kommt es zu einer Überforderung mit Überforderungsreaktionen im kognitiven, emotionalen und psychosomatischen Bereich. Besondere beachtung sollte in diesen Zusammenhang die Nebenniere erhalten. In ihr wird unser Stresshormon Cortisol gebildet. Eine langanhaltende Überforderung sollte hier ebenfalls zu erkennen sein.
-      Lese dazu auch die HPA-Achse siehe unten       -

Aber schon sehr viel früher können sich Alarmzeichen manifestieren, wie z.B.
  1. Allgemeine Müdigkeit
  2. Schlaflosigkeit
  3. Schlaffe und schwere Glieder
  4. Magen und Darm leiden
  5. Häufig brennende Augen
  6. Häufige Infekte usw.

In der Anamnese werden diese Alarmzeichen nicht immer eindeutig beschrieben. Daher empfiehlt es sich bei Verdacht nachzufragen.
Dabei sollten Fragen wie „ Haben Sie Stress? “ vermieden werden, da sie nicht eindeutig genug sind. Jeder beurteilt Stresssituationen anders. Eine gute Variante wäre die oben genannten Symptome zu erfragen, oder Fragen zu formulieren wie „Sind Sie mit ihrem jetzigen Leben zufrieden, würden Sie etwas ändern wollen? “. Wenn nötig kann man dem Patienten zwei Wochen Zeit lassen in denen er auf einem Zettel positive und negative Einflüsse aus seinem Leben vermerkt.

Ein Manualtherapeut ist kein Psychologe aber er kann Hinweise auf Veränderungen des Nervensystems durchaus erkennen, die Verarbeitung jedoch liegt meist nicht mehr in seinen Händen.

 

 

Die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse)

Unter den zahlreichen physiologischen "Stresssystemen" nimmt die sogenannte Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse - im Folgenden nach der angloamerikanischen Terminologie als "HPA" abgekürzt - eine Sonderstellung ein.

Bei der HPA handelt es sich um eine dreigliedrige Hormonachse, die aus dem hypothalamischen Peptidhormon CRH (Corticotropin-Releasing Hormone), dem hypophysären Peptidhormon ACTH (Adrenocorticotropes Hormone) sowie dem Nebennierenrinden-Steroid Cortisol besteht. Die drei sezernierten Hormone bilden mehrere negative Rückmeldeschleifen, um auf allen drei Gewebsebenen eine optimale Regulation der Produktion und Sekretion dieser Botenstoffe zu gewährleisten. Eine Dysfunktion der HPA-Achse wird ursächlich in Verbindung gebracht mit der Entstehung oder Pathogenese unterschiedlichster Erkrankungen, wie etwa Depression, Krebs, Neurodermitis oder einem Burn-out Syndrom.

 

Das Endprodukt der HPA-Achse, Cortisol, übt nachhaltige Effekte auf nahezu alle Organe des Körpers aus. Praktisch jede kernhaltige Zelle ist eine potentielle Zielzelle für das Steroidhormon Cortisol, welches aufgrund seiner hohen Fettlöslichkeit und des geringen molekularen Gewichts problemlos die Doppellipidmembranen unserer Körperzellen durchdringt und an die cytosolischen Rezeptoren bindet. Abhängig vom genetisch determinierten "Auftrag" der Zielzelle beeinflusst Cortisol sowohl den Körperstoffwechsel, das Immunsystem als auch das Gehirn. Eiweiß-, Kohlenhydrat- und Fetthaushalt werden durch Cortisol ebenso (mit-) gesteuert, wie die zelluläre, humorale und unspezifische Körperabwehr von diesem Steroid kontrolliert wird. Nach heutigem Wissenstand ist Cortisol das stärkste Immunsuppressivum, das unser Körper selbst produziert. Allerdings wirkt Cortisol nicht nur unterdrückend auf die Körperabwehr es mehren sich die Hinweise darauf, dass einige Immunparameter durch Cortisol auch stimuliert werden. Darüber hinaus übt Cortisol nachhaltige Effekte auf zentralnervöse Strukturen aus. Komplexe Prozesse wie Aufmerksamkeit, Vigilanz oder auch Gedächtnis unterliegen einer partiellen Kontrolle des Nebennierenrindenhormons.

 

 

 

 

 
           

 

 

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