Einige ausgewählte Erkrankungen mit Beteiligung des vegetativen Nervensystems

 

 

 

Gestörte Funktionen und pathologische Phänomene bei Affektionen mit Beteiligung des vegetativen Nervensystems

Funktion

Pathologische Phänomene

Blutdruckregulation

orthostatischer Blutdruckabfall, Synkopen

Regulation der Herzfrequenz

Blutdruckabfall nicht von Pulsbeschleunigung begleitet

Akkommodation oder Adaption der Pupillen

Pupille bleibt in Mittelstellung und reagiert nicht auf Licht oder andere Reize

Regulation der Schweiß-sekretion

kein Schwitzen

Sezernieren von Speichel und Tränen

Reduzierter bis fehlender Tränen- bzw. Speichelfluss, also trockene Augen und Mundschleimhäute

Steuerung des Miktions- vorganges

Inkontinens bzw. Überlaufblase

Regulierung der Magen- Darm-Tätigkeit

Obstipation oder Durchfälle

Regulierung der männlichen Sexualfunktion

Impotenz und / oder retrograde Ejakulation

 

Schweißsekretion

Bei Läsionen von sensiblen oder gemischten peripher Nerven, kann es neben Sensibilitätsstörungen auch zu einem lokalen Ausfall der Schweißsekretion in dem entsprechenden Versorgungsareal kommen.

Der Nachweis kann mittels des Iod-Stärke-Tests nach Minor erbracht werden. Hierbei wird der entsprechende Körperabschnitt mit einer Iodlösung bepinselt. Nach Antrocknung der Lösung wird die Region mit Kartoffelstärke bepudert. Nach Schweißsekretion kontrastiert die intakte dunkle Zone mit der befallenen weiß bleibenden anhydrotischen Zone.

Nach Teilausschaltung des Sympathikus durch Operationen oder andere Erkrankungen wie Rückenmarksaffektionen, Syringomyelie, Tabes, Rückenmarkstumoren, Rückenmarktraumata oder bei Schädigungen des Hypothalamus kann es zu einem anfallsartigem kompensatorischen übermäßigem lokalisiertem Schwitzen einzelner Körperteile in anderen Bereichen kommen. Dieses Phänomen wurde auch bei Läsionen von peripher Nerven beschrieben und u.a. bei Halsrippen, Osteomen der Wirbelkörper, Bronchuskarzinomen und Pleuraendotheliomen.

 

Grenzstrangläsionen

Grenzstrangläsionen werden vor allem durch paravertebrale Tumorinfiltrationen verursacht. Sie sind gekennzeichnet durch Ausfälle der Schweißsekretion ohne sensible Beteiligung.

Dies ist wichtig für die Differenzialdiagnose von proximalen Wurzelläsionen und Schädigungen des Nervenplexus.

Zum Beispiel kann es keine Sensibilitätsstörung mit einer Schweißsekretionsstörung in der unteren Extremität bei einer Diskushernie unterhalb von L3 geben. Da wie schon beschrieben die sudomotorischen Fasern des Rückenmarkes bereits oberhalb von L3 den Wirbelkanal verlassen. Die Läsionen muss folglich weiter distal gelegen sein, zum Beispiel im Plexus lumbalis.

 

Horner-Syndrom

Das voll ausgeprägte Horner-Syndrom ist durch die Symptomentrias Miosis (Pupillenverengung, bei erhaltener Reaktion der Pupille auf Licht mit Konvergenz), Ptosis (Herabhängen des Oberlids, durch Lähmung des M. tarsalis superior) und Enophthalmus (zurücksinken des Augapfels in die Orbita) gekennzeichnet. Auch Veränderungen der Schweißsekretion können beobachtet werden, tritt das Syndrom ohne Störung der Schweißsekretion auf, so ist der Läsionsort die ventralen Wurzeln C8-Th2 proximal des Grenzstranges. Da die sudosekretorischen Fasern tiefer das Rückenmark verlassen.

Tritt jedoch eine Schweißsekretionsstörung mit oder ohne Begleitung des Horner-Syndroms auf, so ist das Ganglion stellatum (Verschmelzung des unteren Halsganglions dem Ganglion cervicale inferius mit den ersten und evtl. mit dem zweiten Thorakalganglion des Grenzstranges, es liegt am Köpfchen der 1. Rippe) mitbetroffen.

Das Syndrom beruht auf eine Schädigung oder Lähmung der sympathischen Nervenfasern, die für die Innervation des Auges zuständig sind. Diese beginnen im Hypothalamus und begeben sich durch den Hirnstamm sowie den Seitenstrang des Halsmarkes und werden dann auf Rückenmarksebene C8–Th2 auf ihr zweites Neuron verschaltet. Die sympathischen Nervfasern verlassen weiter über die Vorderwurzel das Rückenmark und begeben sich zur dritten Umschaltung in das Ganglion zervikale superius (ca. 2cm unter der Schädelbasis hinter der A. carotis interna u. zw. M. longus capitis u. hinterem Digastrikusbauch) wo sie auf ihr drittes Neuron stoßen. Zusammen mit der A. carotis dringen nun die Fasern in die Schädelhöle ein und erreichen so das Auge und Augenlid.

Der M. levator palpebrae superioris wird von mitgebrachten Fasern des N. ocolomotorius versorgt.

Blutgefäße werden auf ähnlichem Wege durch den N. nasociliaris vorsorgt, weitere Äste des N. nasociliaris ziehen als Nn. ciliares longi um das Auge und versorgen die Pupille.

Ursachen:

  1. Tumore z.B. Pancoast-Tumor
  2. Schädigung des Plexus brachialis
  3. Zervikale Syringomyelie
  4. Stellatumblockade
  5. Wallenbergsyndrom
  6. Läsionen zw. dem Centrum cilio-spinale (C8-Th2) und der A. carotis communis (mit Anhydrisos und Hyperämie der ipsilateralen Gesichtshälfte)

 
           

 

 

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