Das hohe Assimilationsbecken

 

 

Das Becken mit dem nach kranial verlängerten Kreuzbein, das wir nach Erdmann und Gutmann als hohes Assimiltionsbecken oder Lockerungsbecken bezeichnen.

Das Promontorium steht hoch zwischen den Darmbeinschaufeln und ragt im a.-p.-Bild sockelartig über das obere Ende der Iliosakralgelenke empor (Abb.).

  • Die Bandscheibe L4/5 liegt dann oft oberhalb der Verbindungslinie beider Beckenkämme.
  • Gleichzeitig ist das Kreuzbein im Stehen steil aufgerichtet. Seine Dorsalfläche schließt mit der Horizontalen einen Winkel von 50 bis 70° ein, wobei der Neigungswinkel der Deckplatte von S1 lediglich 15 bis 30° beträgt.
  • Die Spina iliacan posterior superior überragt die Dorsalfläche des Kreuzbeins nur wenig.
  • Das Kreuzbein steht also steil und weit dorsal im Beckenring. Im Sinne der »Mastverspannung« der Wirbelsäule ist dabei der Hebelarm der Rückenmuskulatur kurz und der der Bauchmuskulatur verlängert.
  • Der letzte Lendenwirbelkörper hat Rechteckform wie die übrigen Lendenwirbel, und die letzte Bandscheibe ist hoch. Die Querfortsätze des letzten Lendenwirbels sind relativ zart.
  • Das Lig. iliolumbale ist schwächer entwickelt. Es verläuft von den Beckenkämmen aus horizontal oder sogar aufwärts zum Wirbel.
  • Wie GUTMANN betont, konvergieren bei dieser Beckenform die Iliosakralgelenke oft nur wenig nach dorsal. Wir sehen dann im a.-p.-Bild jeweils nur eine relativ breite Gelenklinie (geringe Iliumdeckung).

Die klinisch wichtigste Folge dieser anatomischen Gegebenheiten ist die Hypermobilität (Lockerung) des lumbosakralen Bewegungssegments und bis zu einem gewissen Grad auch der Iliosakralgelenke.

Der mangelhaft fixierte letzte Lendenwirbel kann seine Pufferfunktion nicht erfüllen. Deshalb ist der Übergang von der überaus guten Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule zum relativ starren Becken besonders schroff. Als Folge davon beobachten wir bei diesem Beckentyp eine vorzeitige isolierte Osteochondrose (»Zermürbung«) der letzten Bandscheibe (ERDMANN, GUTMANN). Falls es zum Bandscheibenprolaps kommt, betrifft er vorwiegend die letzte Bandscheibe (KLASMEIER).

Bei der Beurteilung von Röntgenbildern dieser Beckenform müssen wir stets bedenken, daß wir eine nur flache Lendenlordose und eine hohe letzte Bandscheibe zu erwarten haben. Allerdings beobachtet man gerade beim hohen Assimilationsbecken (meistens bei hypermobilen Frauen) oft eine schlaffe Haltung, wobei sowohl die Beckenneigung als auch die Lendenlordose erheblich sein können.

 

 
           

 

 

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