Übertragener Schmerz oder "referred pain"

 

 

Der Entstehungsort des „Übertragenen Schmerzes“ ist nicht identisch mit dem Ort der Schmerzempfindung. Das Phänomen beruht wahrscheinlich auf der Tatsache, dass mehrere primäre nozisensorische Neuronen aus unterschiedlichen Geweben und Organen auf eine kleinere Gruppe sekundärer Neurone konvergieren.

Grundsätzlich ist folgendes zu dem Thema „referred pain“ zu sagen:

  1. Referred pain kreuzt nicht die Mittellinie
  2. Die Ausbreitung erfolgt hauptsächlich nach distal
  3. Der übertragene Schmerz bleibt segmental
  4. Der Enstehungsort muss nicht mit dem Schmerzort übereinstimmen
  5. Es muss nicht das ganze Dermatom mit einbezogen sein, sondern der Schmerz kann irgendwo im Dermatom auftreten.
  6. Proximale und tief gelegene Strukturen können eher Schmerz fortleiten als distale und oberflächliche

Das Ausmaß des „referred pain“ wird bestimmt durch:

  1. Welche Lage hat die Läsion innerhalb des Dermatoms proximal oder distal, tief oder oberflächlich?
  2. Wie gut ist die Selektivität des Nervensystems gegenüber dem nozisensorischen Reiz?
  3. Wie groß ist die Faszilitation des Reizes im Hinterhorn gegenüber den sekundären Neuronen?
  4. Wie groß ist die Läsion?

Und damit verbunden ist die Stärke des Reizes

  1. Wie groß ist die ausgeschüttete Menge an Substanz P im Hinterhorn?

Wodurch wird der referrente Ort bestimmt?
Reffered Pain wird im dazugehörigen Dermatom und besonders im Sklerotom (Faszien) verspürt.

Der Grund sind Unterschiede in der Innervationsdichte einzelner Gewebe. Der Schmerz findet den Weg von eher niedrig innervierten Strukturen zu Gewebearten die eine höhere Innervationsdichte aufweisen. Im Allgemeinen ist eine höhere Innervationdichte eher distaler zu erwarten als proximal, ebenso wie bei tief liegenden Strukturen gegenüber oberflächlichen. Das Bewusstsein unterliegt einer fehlerhaften Interpretation von afferenten Impulsen, es interpretiert die Impulse aus weniger bekannten Zonen an Orte die es gut kennt. Bedingung ist jedoch eine gleiche Segmentzugehörigkeit. Eine gewisse Rolle spielt auch die somatotopischen Anordnung von Neuronen im Hinterhorn dabei.

Zu dem Thema „reffered pain“ gibt es im Hinblick auf die Entstehung mehrere Theorien

Konvergenz-Projektionstheorie
Es enden mehrere afferente Neurone aus verschieden Orten eines Segmentes mit unterschiedlicher Innervationsdichte in einer Konvergenzverschaltung auf eine kleiner Gruppe sekundärer Neurone. Das Gehirn unterliegt dabei einem Interpretationsfehler und projiziert den Schmerz in das Areal mit der höheren Innervationsdichte, aufgrund des besseren Bekanntheitsgrades innerhalb des Bewusstseins.

Die Neurone im Hinterhorn unterliegen einer somatotopischen Anordnung

Die afferenten Impulse der nozisensorischen Fasern können schon hier innerhalb des Hinterhorns unter Einfluss einer verminderten Selektivität, auf benachbarte Gebiete übergreifen.

Dabei werden die Neurone im Hinterhorn eher von medial nach lateral miteinbezogen als umgekehrt. Prinzipiell jedoch kann man sagen „schwappt“ der Impuls von Gewebestrukturen mit niedriger Innervationsdichte zu Gewebestrukturen mit höherer Innervationsdichte über.

 

Lerntheorie
Bei einer länger andauernden nozisensorischen Aktivität vergrößert der Körper das dazugehörige somatosensorische Projektionsareal innerhalb des Hinterhorns. Dabei steigt auch der Bekanntheitsgrad dieser Region in Bezug auf Nozisensorik. Nach der Vergrößerung des Projizierungsfeldes kann es sein das der Körper nach einem länger andauernden lateralen Meniskusschaden eine neu entstandene Läsion im lumbal Bereich aus den Segmenten L4/5 oder S1/2 (N. peroneus) in die segmental dazugehörige Knieregion projiziert.

 

Unkontrollierte Ausbreitung der elektrischen Aktivität im Hinterhorn
Bei einem a-spezifischen Arousel ist die Selektivität des Nervensystems stark herabgesetzt, es erfolgt kaum eine Hemmung der elektrischen Impulse durch supraspinale Systeme. Somit kommt es zu unkontrollierten Ausbreitungen der Schmerzempfindung innerhalb eines Segmentes. Die Ausbreitung ist meist diffus nach distal, aufgrund der Tatsache das die Innervationsdichte distal höher ist als proximal, ebenso wie bei tief liegenden Strukturen gegenüber oberflächlichen.

 
           

 

 

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