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Das Leiden oder die Erkrankung muss erkannt werden

 

 

Um das Leiden zu bestimmen, werden die Beschwerden der Person aus vier Perspektiven beleuchtet, um aus der Anamnese hervorgehende Informationen zu verarbeiten.

  • Anatomische Klassifikation
  • Pathologische oder Medizinische Klassifikation
  • Psychologische Klassifikation
  • Manualtherapeutische Klassifikation

Aus diesen vier Komponenten entsteht ein holistisches (ganzheitliches) Menschenbild.

 

Anatomische Klassifikation
Bei der anatomischen Klassifikation werden der Ort der Läsion und die damit bestimmte Gewebeart, die Größe der Läsion und die Art der Läsion ermittelt. Es wird erarbeitet welche Struktur oder Strukturen die angegebenen Beschwerden verursachen und zu welchem neurologischen Segment sie zugehören. Dafür bedient sich der Therapeut zunächst den Informationen die er aus der Anamnese bekommen hat.

Die Informationen aus der Anamnese werden gesammelt und anschließend mit dem daraus vermuteten Krankheitsbild verglichen. Der Therapeut sollte ab jetzt eine Vermutung haben welche Struktur oder Strukturen die Schmerzen verursacht. Auch über die Art der Läsion erfolgt nun eine Vermutung. Es ist ein Unterschied ob eine Totalruptur oder nur eine Überdehnung des Kapsel- Bandapparates vorliegt. Letzteres hat die Möglichkeit ohne Einfluss von außen zu heilen.

Auch der Zeitpunkt der aktuellen Heilungsphase, zur Bestimmung der für diese Heilungsphase spezifischen therapeutischen Maßnahmen wird an dieser Stelle bedacht.

Eine wichtige Frage um einschätzen zu können ob die Heilung für diese Zeitspanne bisher adäquat verlaufen ist. Vielleicht gibt es eine Störung, die das betroffene Gewebe an der Ausheilung hindert.

 

Medizinische Klassifikation
Die medizinische Klassifikation wird eingesetzt um einen Grund für die entstandene Läsion zu finden. Sie ist das vorherrschende Untersuchungsverfahren aus der Schulmedizin. Sie erfolgt nach der Einteilung von der International Classification of Diseases (ICD) und wird meistens verwendet um Pathologien zu beschreiben. Die zehnte Neuausgabe der International Classification of Diseases und in deren Verbindung stehenden Gesundheitsproblemen ist in einer Reihe von Ausgaben die späteste.

Die 1893 als die Klassifikation oder die internationale Liste von Ursachen des Todes formuliert wurde. Während der Titel um den Inhalt und den Zweck zu bilden geändert worden ist und die progressive Verlängerung des Bereichs der Klassifikationen über Krankheiten und Verletzungen hinaus zu reflektieren, ist die vertraute Abkürzung "ICD" beibehalten worden.

 

Man geht gedanklich folgende Fragen durch:

  • Spielen kongenitale Erkrankungen bei dem aktuellen Leiden eine Rolle?

Kongenitale Erkrankungen verursachen selten Schmerzen im jugendlichen Alter, sie können aber die Belastbarkeit von Gewebestrukturen herabsetzen und daher eine Disposition für Läsionen (ca.  ab dem 40. Lebensjahr) bilden.

  • Spielen degenerative Erkrankungen bei dem aktuellen Leiden eine Rolle?

Man rechnet nicht mit ausgeprägten Degenerative Erkrankungen vor dem 46. Lebensjahr, wenn keine besonderen Umstände vorliegen wie Traumata, Blockwirbel, Beinverkürzungen, Fehlhaltungen usw.

  • Spielen traumatische Erkrankungen bei dem aktuellen Leiden eine Rolle?

Liegt ein Trauma vor, so ist weiter an eine Traumaanalyse zu denken, wenn das Trauma nicht proportional zur Verletzung steht. Um die geschädigten Strukturen zu benennen. Manchmal muss auch eine zusätzliche Belastungs-/ Belastbarkeitsanalyse durchgeführt werden, falls ohne ersichtlichen Grund eine Verletzung entstanden ist.

  • Spielen Tumore und Neoplasmata bei dem aktuellen Leiden eine Rolle?

Hier sollte man nicht unbedingt im jugendlichen Alter einen Befund erwarten. Eine Person mit Tumoren oder Neoplasmata zeigt oft stark äußerliche Veränderungen wie deutlich blasse und fahle Haut, sehr schnelle Ermüdbarkeit, Kaltschweißigkeit, ungewollter Gewichtsverlust oder Nachtschweißigkeit, ungewöhnliche Befunde mit evtl. fehlender Beziehung zum Leiden und einem sehr schlechten Allgemeinzustand.

Darüber hinaus sprechen die meisten Tumorpatienten sehr gut auf Schmerzmittel wie Aspirin an. Trifft der Manualtherapeut auf solch einen Befund, wird mit der Aussage gegenüber dem Patienten sehr vorsichtig umgegangen. Am besten man äußert die Vermutung nur gegenüber dem behandelnden Arzt. Eine unnötige Beunruhigung des Patienten sollte unbedingt vermieden werden. Der Manualtherapeut ist nicht genügen geschult um hier eine präzise Annahme zu äußern.

  • Spielen entzündliche Erkrankungen bei dem aktuellen Leiden eine Rolle?
  • Gibt es Systemerkrankungen wie Rheuma, Bechterew, Scheuermann usw.?
  • Gibt es eine Funktio laesa und wodurch?

Der Manualtherapeut wird angehalten sich ständig über Pathologien und medizinischen Neuerungen zu informieren um die oben genannten Punkte adäquat zu beantworten. Es müssen eventuelle Kontraindikationen für die folgende Therapie erkannt oder ausgeschlossen werden. Bei verbleibenden Unklarheiten in Bezug auf die Kontraindikationen sollte auf ein Röntgenbild aus zwei Ebenen und ein Blutbild nicht verzichtet werden.

 

Manualtherapeutische Klassifikation

Bei der manualtherapeutischen Klassifikation kommt es zur Entscheidung ob es sich bei der Beschwerdeproblematik um eine lokale Störung oder eine segmentale Störung handelt. Dabei muss das dazugehörige neurologische Segment, wenn es nicht schon bei der anatomischen Klassifikation bestimmt wurde, bestimmt werden. Unter dem Begriff „lokale Störung“ verstehen wir die Funktionsstörung einer kinesiologischen Einheit. Die biomechanischen Verbindungen innerhalb einer Bewegungskette können durch die Fehlfunktionen einer oder mehrerer ihrer Elemente durcheinander gebracht werden. Zum Beispiel könnte es durch eine Funktionsstörung der 1. Rippe, zu einer schmerzhaften Einschränkung der Abduktion- Elevationsfähigkeit des gleichseitigen Armes kommen. Bedingt durch Überbelastung von anderen Gewebestrukturen. Alle nicht lokalen Störungen gehen auf Ursachen zurück, die neuroreflektorische Ursprünge haben.

Neuroreflektorische Verbindungen können sowohl vom zerebrospinalen Nervensystem ausgehen, als auch vegetativer Natur sein. In diesem Zusammenhang spricht man auch von einem übertragenen Schmerz „referred sensation“, welcher sich auf das Segment begrenzt aus der die nozizeptive Quelle neural versorgt wird. Somit könnte es unter Umständen ausgehend von einer Verletzung der Bizepssehnen, zu ausstrahlenden Schmerzen in den Arm und Unterarm kommen. Welche sich über das Innervationsgebiet der Segmente C5 und C6 erstrecken. Andersherum kann es durch eine Funktionsstörung in den Bewegungssegmenten C5 und C6 zu einer sekundären Reaktion der Bizepssehnen kommen. Die, über längere Zeit, segmentale Beteiligung schwächt die Bindegewebsstruktur in dem gesamten Versorgungsgebiet und macht das Bindegewebe durch die herabgesetzte Belastbarkeit somit anfälliger für Läsionen. Es gilt abzuklären ob es weitere gewebsspezifische oder organspezifische Veränderungen in diesem Segment vorhanden sind und ob zurzeit eine segmentale oder allgemeine Dysregulation vorliegt. Zu den gewebsspezifischen und Organspezifischen Veränderungen ist zu sagen, dass alle aus dem Segment versorgten Gewebestrukturen wie Haut, Faszien, Muskeln, Nerven usw. Veränderungen aufzeigen können. Hierbei spielt der Einfluss des Sympathicus eine zentrale Rolle.

Lokale Problematik (Schmerzort ist gleich Läsionsort)
Störung einer arthro-kinematischen Einheit:
Über den arthrokinematischen Reflexbogen wird die Haltung und Bewegung aufrecht erhalten und kontrolliert. Dies läuft unbewusst über unsere Propriosensorik (Tiefensensibilität) ab. Eine solche Störung muss nicht unbedingt schmerzhaft sein, sondern kann auch unterschwellig vorliegen.

Störungen einer Muskulotendomyotischen Einheit:
Läuft über den muskulotendomyotischen Reflexbogen ab und ist im Gegensatz zu der athrokinematischen Störung oft schmerzhaft.

Segmentale Problematik (Schmerzort und Läsionsort sind verschieden)

Nozisensorische Reize schalten im Hinterhorn auf:
Motorische Vorderhornzellen des gleichen Rückenmarksegmentes und auf Teile der präganglionären Neurone des Seitenhorns, sowie auf Neurone der aszendierenden Bahnsysteme.

 

Psychologische Klassifikation
Bei der psychologischen Klassifikation wird nach ursächlichen Störungen des Heilungsprozesses durch Einflüsse auf emotionaler Ebene gesucht. Doch solange wir keine Anzeichen für eine segmentale Beteiligung finden, gehen wir von einem lokalen Problem aus.

Der Therapeut stellt sich Fragen wie z.B.:

  • Gibt es Anzeichen für ein a-spezifisches Arousel oder einer Dysregulation?
  • Hat die Dysregulation einen negativen Einfluss auf den aktuellen Heilungsprozess?

Ein über längere Zeit erhöhter Grundtonus des orthosympathischen Nervensystems kann sich negativ auf das Krankheitsgeschehen auswirken, ebenso kann er es unterhalten oder es sogar ausgelöst haben. Auch das soziale Umfeld der betroffenen Person sollte abgeklärt werden, vielleicht liegt hier eine Disposition zur herabgesetzten Belastbarkeit der Person.

Man achtet auf Anzeichen wie:

  • Depressive Stimmung
  • Aggressivität
  • Nervosität (Stress)
  • Angst
  • Allgemeine Überforderung

 

 
           

 

 

Praxis für Naturheilkunde Physio- und Osteopathie

Oliver Geck
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